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Farbbänder für Schreibmaschinen

typewriter ribbons - rubans encreurs pour machines à écrire

Triptych 2013

Worum handelt sich es?

Vorab eine über hundert Jahre alter Artikel betreffend Materialkunde aus dem richtungsweisenden "Dingler" (Dingler's Polytechnisches Journal):

"Materialienkunde.
Farbbänder für Schreibmaschinen. A. M. Doile untersuchte 99 Proben von Farbbändern, von denen 49 neu und 40 von drei Wochen bis zu sieben Monaten in Gebrauch gewesen waren; 68 Bänder waren mit Kopiertinte getränkt. Sie stellten 43 Sorten aus 19 Fabriken dar.

30 von den Kopiertinten sollten unzerstörbare Abklatsche geben: die Farbe der Abklatsche war meist blau, in 11 Fällen rot. Ueber einen Teil der Farbbänder war Klage geführt worden, weil die Farbe klebte oder schmierte oder weil die Bänder zu viel Farbe auf einmal abgaben und die Typen verschmutzten, so daß diese gereinigt werden mußten; in anderen Fällen waren die Bänder ungleichmäßig getränkt, so daß die Schrift fleckig wurde. Manche Farbe, besonders das Rot, verblich schnell. Einige Bänder waren allmählich runzelig geworden und hatten sich an den Rändern gedehnt.

Die übliche Gebrauchszeit eines Bandes beträgt sechs bis acht Wochen; ein Band kann je nachdem für 264–2100 Seiten (109000-630000 Worte) ausreichen. Neben der Güte des Bandes hängt viel davon ab, wie die Schreibmaschine arbeitet und wie der Schreibende auf die Tasten schlägt.

Im Mittel betrug das Gewicht der Farbe ¼ vom Gewicht des Bandes. Im Mittel wog 1 qcm frischen Bandes 9,6 mg und nach der Abnutzung 9,3 mg. Auch bei Bändern derselben Sorte schwankte das Gewicht der Flächeneinheit oft um 20 bis 30 v. H.; an der Schwankung ist in erster Linie das Bandgewebe schuld, da der Stoff durchaus nicht gleichmäßig ist. Die Festigkeitsunterschiede waren öfter bei ein und demselben Bande erheblich. Alte Bänder zeigten geringere Festigkeit, wohl weil die Farbe das Gewebe angegriffen hatte.

In der Farbe wurden Feuchtigkeit, Aschengehalt, Lampenruß, Farbstoff und Oel auf sinnreiche Weise ihren Mengen nach bestimmt. Es ergaben sich folgende Gehalte auf das Gesamtgewicht des Farbbandes berechnet:

im Mittel
Feuchtigkeit 2,7–6,1 v. H. 4,0 v. H.
Asche 0,4–15,2 " 2,3 "
Lampenruß 0,9–7,0 " 3,0 "
Farbstoff 3,3–9,3 " 5,9 "
Oel 15,4–31,0 " 21,3 "
gesamte Farbe 20,7–46,0 " 33,4 "
Eigengewicht des Bandes 79,3–54,0 " 66,6 "
Bei Kopierbändern betrug der Rußgehalt nur 0,3 – 3,4 v. H., im Mittel 1,6 v. H.

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Ein Oelgehalt von 22 v. H. scheint das richtige Maß zu sein; Bänder, die erheblich weniger Oel enthalten, haben geringere Dauer und verschmieren die Typen, so daß die Schrift fleckig wird. Der Gesamtgehalt an Farbe schwankte bei den gebräuchlichsten Sorten von 27 zu 38 v. H., ohne daß ein näherer Zusammenhang zwischen diesem Gehalt und der Güte des Bandes zu finden war. Bänder mit zu kleinem Farbgehalt arbeiten oft einige Zeit zufriedenstellend, aber nutzen sich zu rasch ab. Solche Bänder, die zu wenig Oel oder zu wenig Farbstoff enthalten, arbeiten selten gut; Mangel an Ruß setzt die Beständigkeit der Schrift herab. Von der Farbe werden nur 2–16,5 v. H. ausgenutzt; die Bänder, die am meisten Farbe abgaben, klexten leicht, weil die Farbe zu rasch floß. Ein Band, das doppelt so lange Zeit diente, als jedes andere Band, enthielt 13,5 v. H. nutzbarer Farbe; dieses Band besaß viel Feuchtigkeit und Farbstoff, aber nur wenig andere Zutaten.

Die Dauerhaftigkeit der Schrift war bei den Schriftbändern (record ribbons) meist gut. Kopierbänder, die Lampenruß enthielten, lieferten dauerhafte erste Schrift; die Abklatsche waren aber sämtlich unbeständig, weil kein Ruß übertragen wurde; in spätestens zehn Tagen verblich an der Sonne aller Farbstoff und die Schrift war unleserlich.

In Anbetracht dieser großen Unterschiede ist es notwendig, daß bestimmte Regeln für den Handel mit Farbbändern aufgestellt werden, besonders muß das Gewebe, das die Farbe trägt, in gleichmäßigerer Güte geliefert werden. (Chemical News 1906, S. 202–205.)

In Preußen sind schon vor mehreren Jahren auf Veranlassung des Justizministeriums zahlreiche Sorten von Farbbändern durch das Kgl. Materialprüfungsamt der Technischen Hochschule Berlin auf Widerstandsfähigkeit der Schrift untersucht worden.

Es ergab sich bei der Prüfung, daß nicht alle Farbbänder, die Ruß enthalten, dauerhafte Schrift geben, sondern nur solche, bei denen die Farbe so angerieben ist, daß der Ruß beim Schreiben in das Papier eindringt und sich in den Fasern ablagert.

Der preußische Justizminister hat verfügt, daß zu gerichtlichen Urkunden und Notariatsakten nur solche schwarzen Farbbänder verwendet werden, die das Materialprüfungsamt für gut befunden hat. Verlangt wird, daß die Schrift sich weder durch mechanische, noch durch chemische Mittel vom Papier entfernen läßt, ohne daß das Papier deutliche Spuren der Entfernung zeigt. Bei Anträgen auf Zulassung neuer Bänder ist ein Zeugnis des Materialprüfungsamtes beizulegen.

Durch Prüfung von Stichproben, die den Lieferungen an Behörden entnommen werden, wird die Güte der zugelassenen Farbbänder fortdauernd überwacht.

In dem Jahresberichte des Materialprüfungsamtes über das Betriebsjahr 1904 wurden 25 Farbbänder als brauchbar aufgeführt; unter diesen waren 9 in Deutschland hergestellt; fast alle anderen stammten aus Amerika. Dieses Ueberwiegen der ausländischen Erzeugnisse rührt daher, daß sich Amerika (und England) schon seit Jahrzehnten mit der Anfertigung von Farbbändern befaßt, während der Industriezweig bei uns noch verhältnismäßig jung ist.

Wie dieser Jahresbericht ersehen läßt, bringen folgende deutsche Geschäfte unter deutschem Namen brauchbare Farbbänder in den Handel:

1. Dr. Adolf Heinemann in Worms ("Aktenband").
2. Aug. Leonhardi in Dresden ("Schreibmaschinenband", "Stolzenberg-Farbband").
3. Molineus & Komp. in Barmen ("Diamant", "Adler", "Justizia").
4. Carl Schütte in Berlin ("Schütte-Band").
5. Dr. Wenzlik in Köln ("Deutsches Farbband").
6. Wilhelm Brauns in Reichenberg (Böhmen).
Der Jahresbericht des Prüfungsamtes für 1905 macht die höchst erfreuliche Angabe, daß die deutschen Farbbänder schon jetzt den amerikanischen an Güte mindestens gleichkommen.

Arndt.

Bücherschau.
Monographien über chemisch-technische Fabrikationsmethoden. Band I. Der Fabrikchemiker, seine Ausbildung und Stellung. Von L. Max Wohlgemuth, literarisch-wissenschaftlichem Beirat in der chemischen Fabrik Th. Goldschmidt, Essen a. Ruhr. Halle a. S., 1906. Verlag von Wilhelm Knapp. 30 Seiten, Preis M. 1,–.
Der Verfasser gibt eine gute Uebersicht der mannigfachen Ansichten, die über den Ausbildungsgang des technischen Chemikers in den letzten Jahren öffentlich ausgesprochen worden sind. Hier, wie bei der Erörterung der Gehaltsansprüche, die ein jüngerer Chemiker machen darf, hält Wohlgemuth die richtige Mitte zwischen unberechtigter Hoffnungsfreudigkeit und Schwarzmalerei. Ich würde mich freuen, wenn der Verfasser seine gesunden Anschauungen über den Unterricht ein andermal ausführlicher darlegte.

Arndt."(1)

(1) Arndt., Farbbänder für Schreibmaschinen, in: Dingler's Polytechnisches Journal, Band 322, Zeitschriftenschau. Materialschau., S. 93–96, 1907, URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj322/ar322034

© G. Sommeregger 2013

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