Schreibmaschinen: Modelle, Geschichte(n), Personen. Home Home email

RaRo: Alfred Ransmayer & Albert Rodrian*

Europas grösste Typenfabrik / Eckdaten zur Firmengeschichte

Auf dieser Seite will ich Eckdaten zur Geschichte eines der weltweit führenden Typenhersteller, der Firma Alfred Ransmayer & Albert Rodrian, geben. Meine Daten sind noch lückenhaft, und ich werde diese Seite mit jeweils neuer Information erweitern. Sollten Sie Unterlagen oder andere Informationen zu Ransmayer & Rodrian haben, bin ich Ihnen dankbar für Ihre Mitteilung (e-mail oben).**

RaRo 1940

Inhalt:

Die Ursprünge I: Alfred Ransmayer, Graveur aus Wien

Aufstieg zum grössten Produzenten von Schreibmaschinentypen in Europa

Die Ursprünge II: Albert Rodrian

Hans Xaver Collignon - zweiter Partner von Alfred Ransmayer und Architekt von RaRo

Alfred Ransmayer & Albert Rodrian - von Konkurrenten zu Partnern

1930er Jahre und Zeit des 2. Weltkriegs

1945 bis 2000

Die Gegenwart: raro plastics gmbh

Quellen: RaRo Kataloge

RaRo type

Die Ursprünge I: Alfred Ransmayer, Graveur aus Wien (1872 - ?)

Ransmayer & Rodrian, das ist zunächst der Firmengründer Alfred Ransmayer. Wie so oft ist Ernst Martin eine grundlegende Auskunftsquelle.(1) Nach ihm wurde Alfred Ransmayer am 1. Mai 1872 in Wien geboren. Er ging dort fünf Jahre zur Volksschule, besuchte dann mit gutem Erfolg die Bürgerschule, erlernte das Graveurhandwerk und besuchte abends Fachschulen. "Nachdem er nach Beendigung der Lehre noch ein Jahr in Wien gearbeitet hatte, ging er, wie es damals zum Teil noch üblich war, zu Fuss auf die Wanderschaft, um schliesslich in Berlin festen Fuss zu fassen. Dort arbeitete er wieder als Graveur, bis die Frister & Rossmann AG. ihre Schreibmaschinenfabrik errichtete, bei der er zuerst die Typen mit der Hand gravierte, später die Typenfabrikation einrichtete und 7 Jahre leitete." (1)

Martin berichtet weiter: "Leider hatte diese Gesellschaft, nachdem sie doch so wertvolle Pionierarbeit für die Fabrikation und Einfürhung der Schreibmaschine als erste in Europa geleistet hatte, nicht den Mut, die sehr stabile Maschine zu modernisieren und die für die damalige Zeit grossen Mittel in das Unternehmen hineinzustecken. Als Ransmayer sah, dass Fr. & R. bald ins Hintertreffen kommen würden, da aber andere deutsche Schreibmaschinenfabriken im Entstehen waren, machte er sich, nachdem er seinem Direktor den Grund seines Ausscheidens mitgeteilt hatte, ohne nennenswerte Mittel oder fremde Hilfe selbständig." (1)

RA logo
Logo der Firma Alfred Ransmayer

 

Nun folgt ein Eigenbericht von Alfred Ransmayer: "Es war gerade die richtige Zeit, obwohl mir mein Direktor sagte, ich würde nicht das Salz in der Suppe verdienen. Es war auch nicht so, dass man das Geld nur so scheffeln brauchte. Im Gegenteil, alle deutschen Fabriken waren im Entstehen und überall wurde nach deutscher Manier sparsam gearbeitet. [...] Da blieb nur eines übrig, fleissig arbeiten und zh aushalten. Und so wurde auch meine Firma, die ich im Jahre 1899 im Wohnzimmer am Esstisch als Graveur begründete, grösser und grösser." (1)

 

Aufstieg zum grössten Produzenten von Schreibmaschinentypen in Europa

Nach der "Gründung am Esstisch" - nicht unähnlich der Gründungslegenden von amerikanischen Computerfirmen "in der Garage", wie z.B. Hewlett-Packard - nur dass es sich im Fall eines Österreichers um einen Esstisch handelte - nach der Gründung 1899 also folgte ein fulguranter Aufstieg, und 10 Jahre später zählt die Firma schon 400 Angestellte. (1)

Im Jahr 1901 scheint Ransmayer als "Ransmayer & Kreutz. Gravir Anstalt verschied.(ene) Branchen Stahltypenf(a)br(i)k xxxx Inh(aber) Alfred Ransmayer u(nd) Richard Kreutz" auf. (26) Dies ist also der bescheidene Beginn des späteren Branchenriesen. 1909 erscheint dabei als entscheidendes Jahr in der Firmengeschichte, mit dem Umzug an die Köpenicker Strasse 113 und damit einhergehendem Wachstum.

Albert Rodrian, in den Anfängen höchstwahrscheinlich noch Angestellter bei Alfred Ransmayer, hatte derweil 1906 seine eigene Spezial-Fabrik für Schreibmaschinentypen gegründet. (30)

Noch kaum bekannt ist die federführende Rolle von Dipl.-Ing. (später Dr.-Ing.) Hans Collignon in der Entstehung der Firma Alfred Ransmayer & Albert Rodrian. Dieser war schon früh sowohl bei Alfred Ransmayer als auch bei Albert Rodrian eingestiegen und führte im Jahr 1926 die Firmen schliesslich auch formell unter einem Dach zusammen.

Im Folgenden finden Sie einen Überblick der Firmengeschichte ab dem Gründungsjahr 1899.

Geschichte der Firma Alfred Ransmayer & Albert Rodrian
1872 Geburt von Alfred Ransmayer in Wien (1)  
1879 Geburt von Albert Rodrian in Riga (30)  
1899 (Ransmayer) Gründung der Firma durch Alfred Ransmayer "im Wohnzimmer am Esstisch" in Berlin (1).  
1900 (Ransmayer) Eine kleine Werkstatt wird eingerichtet.(1) Der erste Graveurgehilfe, dann ein Schlosser und ein Lehrling werden eingestellt. (1) Der Graveurgehilfe könnte Albert Rodrian gewesen sein, der ab ca. 1899/1900 Mitarbeiter der Firma Alfred Ransmayer ist (30).  
1901 Firmenname Ransmayer & Kreutz. Inhaber Alfred Ransmayer und Richard Kreutz  
1902 (Ransmayer) Ein 140 m2 grosser Fabrikraum wird bezogen.(1)  
1905 (Ransmayer) 400 m2 grosse Fabrikationsstätte in einem "modernen Gebäude". (1) Feurigstrasse 54, Berlin Schöneberg (4)
1906 Albert Rodrian öffnet eine Spezial-Fabrik für Schreibmaschinentypen. (30) Knesebeckstr. 39, Rixdorf / Neukölln (5)
1909 (Ransmayer) Umzug, wohl im Oktober (3). "modernster Neubau mit vielen tausend Quadratmeter Fabrik- und Kontorräumen, fast im Zentrum der Stadt gelegen, der für alle Fälle Raum bot. Viele Säle wurden mit den modernsten Maschinen ausgestattet, von denen ein Teil im eigenen Maschinen- und Werkzeugbau nach [den Patenten von Alfred Ransmayer] hergestellt wurde. Die Belegschaft war auf über 400 Menschen angestiegen." (1) Köpenicker Strasse 113, Berlin S.O. 16 (2). Es handelt sich um das "Hansa-Haus". (8) Diese Adresse bleibt aktuell bis mindestens 1943. (15)
     
1911 (Ransmayer) Diplomingenieur Hans Collignon wird von Alfred Ransmayer als aktiver Partner in die Firma aufgenommen. (5, 41)  
1912 Das Sortiment der Firma A. Ransmayer umfasst 80 verschiedene Schriftsätze für hundert verschiedene Schreibmaschinenmarken. Ca. 1 Mio. Typen für Schreib-, Rechen-, Addier- und Druckmaschinen sind auf Lager. (6)  
1914

Neue Geschäftsadresse von Albert Rodrian in der Blücherstrasse 32. (29)

Alfred Ransmayer und Hans Collignon kaufen die Firma Albert Rodrian. Der Kauf wird aber noch über Jahre geheim gehalten. (41)

Blücherstr. 32, Berlin (29)
ab Winter 1914 - 1918 (Ransmayer) Umstellung auf Kriegsproduktion. (1) Die Firma wurde mit Heeresaufträgen überhäuft und stellt Zünderkappen her (41). "Es ging bald in drei Schichten Tag und Nacht, ohne Unterbrechung, die ganzen vier Kriegsjahre hindurch mit über 1000 Arbeitern bis zum bitteren Ende des verlorenen Krieges." (1)  
nach dem Krieg

Umstellung auf Friedensproduktion. Alfred Ransmayer erleidet einen schweren Nervenzusammenbruch. "Ich lage monatelang auf den Tod und brauchte Jahre, bis ich einigermassen wieder hergestellt war." (1)

Alfred Ransmayer verkauft seine Anteile an den Firmen Alfred Ransmayer und Albert Rodrian an Hans Collignon und scheidet somit aus dem Geschäft aus. (41) Er stirbt wenige Jahre später. (41)

Der Marinebaurat Erich Meisner steigt als Prokurist und dann als Teilhaber in der Firma Alfred Rodrian ein. (41)

 
1922 (Ransmayer) Eine eigene Abteilung zur Produktion von Tasten für Schreib-, Addier- und Rechenmaschinen (etc.) wird geschaffen. (7)  
1926. 1927/28

Zusammenschluss der Firmen Alfred Ransmayer und Albert Rodrian zu Alfred Ransmayer & Albert Rodrian, offene Handelsgesellschaft. (8, 16, 17, 41) (16) Als Inhaber der Firma firmieren Albert Rodrian und Erich Meisner, während Hans Collignon stiller Teilhaber wird. (41) Karl Minx (bisher Ransmayer) und Berthold Fietzke (bisher Rodrian) wird die Gesamtprokura erteilt. (41)

 
1935 Dipl.-Ing. Erich Rodrian, Sohn von Albert Rodrian, tritt in die Firma ein. (41) Er ist zunächst Leiter des Konstruktionsbüros, wird aber bald offiziell "Betriebsführer". (41)  
2. Weltkrieg Während des 2. Weltkriegs beschäftigt die Firma "500, zeitweise bis zu 600 Menschen" (30)  
Februar 1945 Im letzten Kriegsjahr wird der Betrieb völlig zerstört. (30, 41) Hans Collignon und Albert Rodrian, in der Folge auch Erich Meisner, organisieren den Neustart der Firma. (41) Der Betrieb wird in Berlin-Neukölln neu aufgebaut. (41) Ab Ende 1945 war die Firma in der Steinmetzstrasse 45 in Berlin-Neukölln ansässige (10, 36, 41)
1945 Der einzige Sohn Rodrians, Erich, fällt in den letzten Kriegstagen (30)  
um 1950

Erich Meisner scheidet infolge Erkrankung aus. Hans Collignon steigt wieder als tätiger Gesellschafter in die Firma ein. (41)

Dr.-Ing. Karl von Schlachta (geb. 1898) und Harald Baruschke werden als Unterstützung der Geschäftsleitung eingestellt. (32, 41)

 
1954 Rückzug von Albert Rodrian aus dem Unternehmen (30) Firmensitz ab 1952 ist Oberlandstrasse 12-18, Berlin-Tempelhof (amerikanischer Sektor) (11, 36)
Ende 1958 Harald Baruschke und Karl von Schlachta übernehmen die Geschäftsleitung. (41)  
1960 Albert Rodrian stirbt am 20. Mai. (30)  
    Adresse im Jahr 1962 ist Oberlandstrasse 15-18, Berlin-Tempelhof (West-Berlin) (13)
    Firmensitz im Jahr 1970 ist D 1 Berlin 42 - Oberlandstrasse 15-18 (12). Es gibt eine Zweigniederlassung mit Produktion in Duderstadt (12)
1980 Entscheidung für die Fertigung von Typenrädern aus Kunststoff für elektronische Schreibmaschinen (34)  
1981 Harald Baruschke (74) zieht sich nach über 30jähriger Tätigkeit aus der Geschäftsleitung zurück. Die Nachfolge übernehmen Michael Baruschke und Olaf Meisner. (31)  
2000 "Im Zuge der Spezialisierung im Kunststoffspritzguss wurde im Jahr 2000 aus der A.Ransmayer & A.Rodrian die raro plastics gmbh." (34)  
2005 Die Firma Alfred Ransmayer & Albert Rodrian wird am 25. Oktober 2005 vom Registergericht Berlin Charlottenburg aus dem Handelsregister gelöscht. (33)  

Firmensitze der Ransmayer & Rodrian:


View RaRo - Ransmayer & Rodrian in a larger map 

 Ransmayer 1909
Auf dieser Anzeige ersichtlich: die neue Adresse an der Köpenicker Strasse, Berlin

 

Die Ursprünge II: Albert Rodrian (1879- 1960)

Für lange Zeit existierten die Firmen Alfred Ransmayer und Albert Rodrian parallel, und durch das branchengleiche Angebot als Konkurrenten. Davon zeugen die Einträge im Berliner Adressbuch in den 1910er und 1920er Jahren.

Folgende Elemente der Biographie von Albert Rodrian sind mir bekannt (ich danke für weitere Hinweise oder Korrekturen).

Albert Rodrian wurde im Jahr 1879 in Riga geboren und erlernte dort das Graveurhandwerk. (30) In einer Fachzeitschrift finden wir folgende Information: "Als Zwanzigjähriger kam er nach Deutschland, um in Berlin in dem 1899 gegründeten Betrieb von Alfred Ransmayer Typen für Schreibmaschinen herzustellen." (30) Wirklich wird zur Firmengeschichte A. Ransmayer berichtet, dass um 1900 der erste Graveurgehilfe, dann ein Schlosser und ein Lehrling eingestellt wurden. (1) Der Graveurgehilfe könnte demnach Albert Rodrian gewesen sein. Das bedeutet, dass es schon von früh her einen direkten Kontakt und direkte Zusammenarbeit von Alfred Ransmayer und Albert Rodrian gegeben hat. Der Betrieb war aber der Alfred Ransmayers, und der Zusammenschluss zu Ransmayer & Rodrian erfolgte erst viel später.

RO
Logo der Firma Albert Rodrian
Zunächst machte sich Rodrian mit einem eigenen Betrieb für Typenfertigung selbständig. (30) Den Zeitpunkt dieses Schritts gibt die Quelle im "Büromaschinen Mechaniker" mit 1906 an. (30) Die englischsprachige Fachzeitschrift Typewriter Topics berichtet 1907 von Rodrians Manufaktur in der Knesebeckstrasse 39. (35) Im Adressbuch Berlin finden wir den vollen Eintrag im Jahr 1908: "Rodrian Albert, Gravier- u. Prägeanst.[alt] Spez.[ial] Fabrikation von Schreibmaschinen-Typen, Rixd[or]f. Knesebeckstr. 39".

RaRo Rodrian

RaRo

Im Jahr 1910 finden wir im Adressbuch einen "Rodrian, Albert, Fabr(i)karb.(eiter), Rixd(or)f., Knesebeckstr. 40 I." (27) Ein Jahr später gibt es in Rixdorf einen Rodrian, Albert, Spezial-Fabrikant von Schreibmaschinen-Typen, an der Knesebeckstrasse 39. Seine Wohnung ist auf Nr. 40. (28)

RO

Rodrian 1911

Im Jahr 1913 ist die Werkstätte nach wie vor in "Neukölln, Knesebeckstr. 39". Die Wohnung hat Rodrian nun in der Hermannstr. 116. (Quelle: Adressbuch Berlin, 1913). 1914 ist die Spezial-Fabrik neu in der Blücherstrasse 32, während die Wohnadresse in der Hermannstrasse bleibt. (Quelle: Adressbuch Berlin, 1914). Dies bleibt die Geschäftsadresse bis zum Zusammenschluss mit Albert Ransmayer im Jahr 1927 oder 1928.

Albert Rodrians einziger Sohn fiel in den letzten Kriegstagen 1945. (30) Er selbst zog sich aus gesundheitlichen Gründen 1954 aus dem Geschäft zurück. Seine Nachfolge in der Geschäftsleitung trat Karl von Schlachta an. (32) Albert Rodrian starb am 20. Mai 1960. (30)

Auf der technischen Seite ist Rodrian der Erfinder der Richtstrichtype, die in der Schreibmaschinen-Fabrikation eine deutliche Erleichterung und Vereinfachung des Auflöten und Einrichtens der Typen ermöglichte. (30) Der RaRo Katalog von 1940 wirbt explizit mit dieser Errungenschaft.

 

Hans Xaver Collignon - Zweiter Partner von Alfred Ransmayer und Architekt von Ransmayer & Rodrian

Seit 1909 belegt die Firma Alfred Ransmayer die Räumlichkeiten an der Köpenicker Strasse 113. Zwei Jahre später berichtet die Fachzeitschrift Typewriter Topics, dass ein Diplomingenieur Hans Collignon von Alfred Ransmayer als aktiver Partner in die Firma aufgenommen worden sei. (5) Typewriter Topics berichtet später, 1915, von der schweren Verwundung Leutnant Hans Collignons im Kriegsgeschehen. (13)

Hans Xaver Collignon, so der volle Namen, stammte von einem in den 1830er Jahren aus Lothringen nach Berlin zugewanderten François Xavier Collignon (1810 - 1878 od. 1879) ab, der als Koch eine steile Karriere machte. (14) Dessen Sohn, und Vater von Hans Xaver, war der Offizier Emil Collignon (*1849). (14) Hans Xaver Collignon war zwei Mal verheiratet. Aus den beiden Ehen stammen gesamt fünf Kinder. (14)

Aus der aufgezeichneten Familiengeschichte geht hervor, dass Hans Collignon bei der Firma Alfred Ransmayer einstieg. Typewriter Topics (5) und ein Eintrag im Berliner Adressbuch (18) bestätigen dies lassen diese Beteiligung im Jahr 1911 verorten. Der Eintrag im Berliner Adressbuch für dieses Jahr lautet neu: "Alfred Ransmayer, Stahltypenf(a)br(i)k(ant)., SO16, Köpenicker Str. 113 T. IV. 4307 usw. Inh(aber) Alfred Ransmayer (Neu-xxxxx) u. Hans Collignon." (20)

 RaRo Collignon

Quelle

Hans Xaver Collignon ist weiter bekannt als Bauherr des Hauses Collignon, einer Villa am Grossen Wannsee. Dieses wurde auf der Parzelle der Hausnummern 72, 74 und 76 von Architekt Bruno Paul (1874 - 1968) gebaut. Mit Baubeginn 1923 war das Haus Collignon 1926 vollendet. (19) Nach Angaben auf der Webseite der wurde ein Seitengebäude des Hauses als Büros an die Firma Ransmayer vermietet. (20) Dies passt aufgrund des Eigentümerstatus von Hans Collignon bei Ransmayer ins Bild. Es dürfte sich um das 1922 von Erich Blunck (1872 - 1950) entworfene Wirtschaftsgebäude handeln, später als Ärztewohnhaus am Krankenhaus Heckeshorn genutzt. (21) Bilder von Wohnhaus sowie Wirtschafts/Bürogebäude können Sie hier sehen.(20)

1934/35 wurde eine weitere Villa unter der Bauherrschaft von Hans Collignon gebaut. Es ist die Villa mit Adresse Am Sandwerder 25. Architekt: Fritz August Breuhaus de Groot. (38)

RaRo 
Auf dieser Anzeige ersichtlich: die Ransmayer Vertretungen für die englischsprachigen Länder und für Frankreich

Hans Collignon blieb bis in die 1960er Jahre in der Firma aktiv. (36) Seine Nachfolge in der Firma trat Harald Baruschke an.

 

Alfred Ransmayer & Albert Rodrian - von Konkurrenten zu Partnern

Im Nachruf von Albert Rodrian wird berichtet, dass es "[u]nter dem Einfluss der Krisenzeit [...] 1926 zu der Fusion der beiden Firmen [kam]." (30)

Im Berliner Adressbuch von 1927 findet man in der Rubrik "Schreibmaschinenteile" die Firmen von Alfred Ransmayer und Albert Rodrian noch getrennt. Nicht so im Folgejahr: Erstmals ist im Telefonbuch für 1928 die Firma "Alfred Ransmayer & Albert Rodrian" aufgeführt. (23) Die Gründung war allerdings schon 1926 erfolgt. (41) Gemeinsamer Geschäftssitz wird die bisherige Adresse von Ransmayer in der Köpenicker Strasse 113. Als Inhaber scheint Dipl. Ing. Hans Collignon auf. (23)

 RaRo

RaRo

RaRo

Im Adressbuch von 1927 in der Rubrik "Schreibmaschinenteile" noch getrennt: Alfred Ransmayer und Albert Rodrian. Der dritte Konkurrent, die Iris-Type G.m.b.H., steht voran. 1928 und 1929.

 

1930er Jahre und Zeit des 2. Weltkriegs

Für diese Periode sind bisher nur sporadische historische Daten bekannt. Als technische Daten verfügen wir über RaRo Kataloge von 1932 und 1940 (Liste H). Die "Eheschliessung" zwischen Ransmayer und Rodrian im Jahr 1928 war auf symbolischer Ebene eine völlig gleichberechtigte. So erhielten sich sowohl das Ransmayer "R" als auch das Rodrian "AR" Logo, die beiden wurden einfach kombiniert bzw. nebeneinander gestellt.

 RaRo logo

Aus einem Firmenkatalog von 1940.

Diese Gleichberechtigung spiegelt sich auch in der Produktpalette wieder und führt dort zu einiger Verwirrung. Sowohl Ransmayer als auch Rodrian hatten eigene Typen samt zugehörigen Schutzmarken und Patenten in die Ehe mitgebracht. Die ähnlichen Symbole bzw. Namen müssen z.B. bei der Bestellung für Irrtümer gesorgt haben, wie folgendes Merkblatt aus dem Katalog von 1940 zeigt:

 error

Aus dem Firmenkatalog von 1940.

1937 scheinen Albert Rodrian und Erich Meisner als Geschäftsführer auf. (39)

Im letzten Kriegsjahr wurde der Betrieb zerstört. (30) Der Betrieb wird an der Steinmetzstrasse weitergeführt (10). Der einzige Sohn von Albert Rodrian fällt in den letzten Kriegstagen 1945. (30)

Für die Zeit des 2. Weltkriegs ist Ransmayer & Rodrian in der Liste der Firmen aufgeführt, die in Berlin ZwangsarbeiterInnen beschäftigt haben. (24)

 

1945 bis 2000

1952 zieht der Betrieb an die Oberlandstrasse, Berlin-Tempelhof. (36) 1954 zieht sich Albert Rodrian aus gesundheitlichen Gründen aus dem Geschäft zurück. (30) Hans Collignon ist bis in die 1960er Jahre im Betrieb aktiv. (36) In der Folge bestimmen Dr.-Ing. Karl von Schlachta und Harald Baruschke die Geschicke der Firma Ransmayer & Rodrian. (30, 32, 40) Harald Baruschke leitet die Firma bis 1981. (31) Zu diesem Zeitpunkt ging die Leitung auf Michael Baruschke und Olaf Meisner über. (31)

 raro tempelhof

Das Firmengebäude an der Oberlandstrasse 15-18. Dank an Ryk van Dijk für die Quelle.

 Ransmayer Rodrian Duderstadt
Eine weitere Produktionsstätte: Die Zweigniederlassung in Duderstadt. Dank an Ryk van Dijk für die Quelle.

Nach Informationen auf der Firmenwebseite der raro plastics gmbh fiel 1980 die Entscheidung für die Fertigung von Typenrädern aus Kunststoff für elektronische Schreibmaschinen. (34) "Im Zuge der Spezialisierung im Kunststoffspritzguss wurde im Jahr 2000 aus der A.Ransmayer & A.Rodrian die raro plastics gmbh." (34)

 

Die Gegenwart: raro plastics gmbh

Die Firma Alfred Ransmayer & Albert Rodrian wurde formell 2005 aus dem deutschen Firmenregister gestrichen. Ihre Tradition wird jedoch weitergeführt von der Nachfolgefirma raro plastics gmbh am gleichen Firmensitz, in der Oberlandstrasse 19-21 in 12099 Berlin.

Die raro plastics gmbh ist Spezialist für maßgenaue Kunststoffteile sowie Formen- und Werkzeugbau. Es werden auch noch Typenräder für elektronische Schreibmaschinen gefertigt.

Näheres erfahren Sie auf der Webseite der Firma: http://raro.de/.

 

Ressourcen: Ransmayer & Rodrian Firmenkataloge

Die Firma Alfred Ransmayer & Albert Rodrian haben immer wieder Produktkataloge herausgegeben. Im Folgenden finden Sie eine Liste der mir bisher bekannten Kataloge (Hinweise auf weitere nehme ich gerne entgegen). Dank der grosszügigen Erlaubnis des Rechteinhabers, sowie eines Gemeinschaftsprojekts zum Scannen dieser Unterlagen in der Typosphäre, stehen einige dieser Kataloge zum download und persönlichen Gebrauch bereit.

Kurztitel Titel Jahr Anmerkung Download
Schreibmaschinenschriften Rodrian Albert Rodrian, Eine Auslese von Schreibmaschinenschriften. Meiner verehrten Kundschaft gewidmet, s.d. s.d. Ursprünglich 40 Schriftproben, im Anschluss erweitert durch 8 weitere Schriften der Firma Alfred Ransmayer & Albert Rodrian.
Liste A. Liste B. Alfred Ransmayer & Albert Rodrian, Liste A. Typen, Typenstäbe Typensegmente. Liste B. Eine Zusammenstellung von unseren Sonderzeichen und deren Benennungen, Berlin 1928 1928 Mit dreisprachigen Listen in Deutsch, Englisch und Französisch.
Liste A. Liste B. Nachtrag Liste A. Alfred Ransmayer & Albert Rodrian, Liste A. Typen, Typenstäbe Typensegmente. Liste B. Eine Zusammenstellung von unseren Sonderzeichen und deren Benennungen, Berlin 1928 (mit Nachtrag Dezember 1929 zur Liste A) 1929 Mit dreisprachigen Listen in Deutsch, Englisch und Französisch. Im Februar 2014 erfolgte eine von der Typosphere betreute Edition mit Anhang einer englischen Übersetzung des restlichen Texts.

volle Auflösung (52MB)

OCR Version (geringere Auflösung 14MB)

Liste E Alfred Ransmayer & Albert Rodrian, Schreibmaschinenschriften. Liste E, Berlin 1932 1932 62 Seiten. 1 Schriftprobe pro Seite. volle Auflösung (57MB)
Liste A. Nachtrag Liste A. Liste B. Liste C. Liste D. Alfred Ransmayer & Albert Rodrian, Liste A. Typen, Typenstäbe Typensegmente [Berlin 1928], Nachtrag Dezember 1929 zur Liste A, Liste B. Eine Zusammenstellung von unseren Sonderzeichen und deren Benennungen [Berlin 1928], Liste C. Metallringtasten und deren Bestandteile, Galalith- und Massetasten, Celluloidtastenkappen und -Ringe, Zeilenmassstäbe [Berlin 1932], Liste D. Zahlen und Brüche [Berlin 1931] 1932 4 Listen in einem Buch, gesamt ca. 155 Seiten.
Liste H Alfred Ransmayer & Alber Rodrian, Schreibmaschinen-Typen. Liste H, Berlin 1940 1940 175 Seiten.
Liste S Alfred Ransmayer & Albert Rodrian, Sonderzeichen, Zahlen und Brüche, Liste S, Berlin 1954 1954 45 Seiten.
Liste H 2 (Hauptkatalog) unbekannt Hauptkatalog
Liste A 3 (Schriftenverzeichnis) unbekannt Schriftenverzeichnis
Liste G (Regulär lieferbare Tastenkombinationen) unbekannt Regulär lieferbare Typenkombinationen
Liste T (Tastaturen) unbekannt Tastaturen
Liste B 1 Alfred Ransmayer & Albert Rodrian, Schriften für Typenhebelschreibmaschinen. Liste B 1, 1970 1970 51 Seiten. volle Auflösung (26 MB)
Liste S 2 Alfred Ransmayer & Albert Rodrian, sonderzeichen. Liste S 2, 1972 1972 15 Seiten  
rarotype [Katalog 1980] Typen für Büromaschinen und für die Datentechnik - types für office machines and for data processing 1980 ca. 211 Seiten OCR Scan (79 MB)

 

   

*Thank you:

I want to thank Marlize L. for inspiration, and both Ryk van Dijk and Marlize L. for the generous sharing of original sources on RaRo.

** Mein besonderer Dank geht an Herrn M. Baruschke.

Quellen / sources:

(1) Ernst Martin, Die Schreibmaschine und ihre Entwicklungsgeschichte, Aachen 1949, S. 503f.

(2) Anzeige in Typewriter Topics, 1909

(3) Vgl. Historische Bürowelt, n°20, Juni 1988, S. 13

(4) Bericht von Gustave Hemes in: Typewriter Topics, 1909

(5) Bericht von Gustave Hemes in: Typewriter Topics, 1911

(6) Bericht von Gustave Hemes in: Typewriter Topics, 1912

(7) Typewriter Topics, 1922

(8) Alfred Ransmayer & Albert Rodrian, Liste A. Typen, Typenstäbe, Typensegmente, Liste B. Eine Zusammenstellung von unseren Sonderzeichen und deren Benennung, 1928.

(9) Alfred Ransmayer & Albert Rodrian. Vereinigte Typenfabriken, Schreibmaschinen-Typen. Liste H, 1940. Dieses Exemplar im Archiv des Autors ist handschriftlich mit "Collignon" angezeichnet.

(10) Handschriftliche Korrektur der Firmenadresse in (9).

(11) Alfred Ransmayer & Albert Rodrian, Raro-Type. Sonderzeichen, Zahlen und Brüche, Liste S, 1954.

(12) Alfred Ransmayer & Albert Rodrian, Schriften für Typenhebelschreibmaschinen. Liste B1, 1970.

(13) Werbung in: H.F.W. Schramm, Liste der Herstellungsdaten deutscher und ausländischer Schreibmaschinen, 11. Aufl., Hamburg 1962.

(14) H. H. Werner, Lebenslauf des François Collignon. 1879 aufgeschrieben von seiner Frau Emilie Collignon, geb. Wagener, 2006, auf: http://www.timetravelteam.com%2Fdoc%2FcollignonFrancois%2FlebenslaufFrancoisCollignon02ill04.doc (abgerufen am 1. Feber 2014).

(15) Im Berliner Adressbuch von 1943 scheint die Firma noch an der Köpenicker Strasse 113 auf. Berliner Adressbücher können im Rahmen des Projekts der Zentral- und Landesbibliothek Berlin unter folgender Adresse abgerufen werden: http://digital.zlb.de/viewer/sites/collection-berlin-adresses/ (abgerufen 2. Februar 2014).

(16) Das Berliner Adressbuch für das Jahr 1928 nennt Dipl. Ing. Hans Collignon als Inhaber. Berliner Adressbuch 1928, URL: http://digital.zlb.de/viewer/image/10089470_1928/2747/ (abgerufen am 2. Feber 2014).

(17) Im Berliner Adressbuch von 1927 scheinen die Firmen Alfred Ransmayer und Albert Rodrian noch getrennt voneinander auf.

(18) Berliner Adressbuch 1911, Quelle s. (15)

(19) Wikipedia, Eintrag Bruno Paul, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Bruno_Paul (abgerufen am 2. Feber 2014)

(20) Nach Information von: The Collignon Villa, http://www.ghwk.de/fileadmin/user_upload/pdf-wannsee/villen-engl/villa_collignon.pdf (abgerufen am 2. Feber 2014) wurde das Haus Collignon wurde 1930 an Sidney van den Bergh verkauft, einen jüdischen Geschäftsmann aus Rotterdam. Der neue Besitzer musste 1933 Deutschland verlassen. In der Folge wurde das Haus von der SS in Beschlag genommen. Heute steht das Collignon / Van den Bergh Haus unter Denkmalschutz und beherbergt ein Therapiezentrum für Jugendliche.

Dem steht entgegen, dass noch 1933 Hans Collignon im Adressbuch Berlin als an der Adresse am Wannsee, Grosse Seestrasse No. 72 geführt wird (vgl. Adressbuch Berlin).

(21) Vgl. Technische Universität Berlin, Architekturmuseum, http://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?set=1&p=79&Daten=85137(abgerufen am 2. Feber 2014)

(22) Vgl. L. Rolf, Rossmania, in: Historische Bürowelt, No. 43, September 1995, S. 16f.

(23) Adressbuch Berlin, 1928. Wie (15).

(24) Berliner Geschichtswerkstatt e.V., http://baseportal.de/cgi-bin/baseportal.pl?htx=/Pagenstecher/zwa_firmen_berlin/zwa_firmen_berlin&cmd=list&range=40&cmd=all&Id=500 (abgerufen am 2. Feber 2014), mit Quellenhinweis auf Kunstamt Kreuzberg, Kreuzberg-Museum: "Die Zerstörung Kreuzbergs aus der Luft" von Erik Smit, Dirk Thormann, Evthalia Staikos, Liste der Kreuzberger Firme.

(25) Adressbuch Berlin, 1929. Wie (15).

(26) Adressbuch Berlin, 1901. Wie (15).

(27) Adressbuch Berlin, 1910. Wie (15).

(28) Adressbuch Berlin, 1911. Wie (15).

(29) Adressbuch Berlin, 1914. Wie (15).

(30) Nachruf Albert Rodrian, in: Der Büromaschinen Mechaniker, Heft 12, Juni 1960, S. 117.

(31) Harald Baruschke im Ruhestand, in: Büro-Wirtschaft, 3/1981, S. 9.

(32) Dr.-Ing. Karl von Schlachta, in: Der Büromaschinen Mechaniker, Heft 49, April 1963, S. 75.

(33) "Alfred Ransmayer & Albert Rodrian, Berlin(Oberlandstraße 15-18, 12099 Berlin). Rechtsverhaeltnis: Die Liquidation ist beendet. Die Firma ist erloschen" (Kurzauszug ersichtlich auf verschiedenen Internetseiten)

(34) Information auf der Firmenwebseite http://raro.de/das-unternehmen/ (abgerufen am 9. Februar 2013)

(35) Typewriter Topics, Oktober 1907, S. 186.

(36) Gespräch M.B., Februar 2014, Notizen Archiv Autor.

(37) Journal, Harald Baruschke, in: Büro-Wirtschaft, April 1976, S. 5

(38) http://www.stadtentwicklung.berlin.de/cgi-bin/hidaweb/getdoc.pl?DOK_TPL=lda_doc.tpl&KEY=obj%2009075457 (abgerufen 16. Februar 2014)

(39) Patent GB490583, Ausgabe 4. Januar 1938.

(40) Patent GB1164872, veröffentlicht 24. September 1969.

(41) H. Collignon, 50 Jahre Raro, Privatdruck, 1969.

© G. Sommeregger 2014-2016

Created 2. Februar 2014- last update 26. Mai 2016

Danke für Kommentare und Berichtigungen - Thank you for comments and corrections